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Eine der größten Kundgebungen, die die Stadt Frankfurt in diesem Jahrtausend gesehen hat, durchgesetzt gegen eine Orgie von Verboten und einen martialischen Polizeieinsatz, 25.000 Teilnehmerinnen aus ganz Europa, der größte Protest gegen Merkels Krisenregime, den Deutschland bisher gesehen hat - und selbst die heimische Frankfurter Rundschau hatte dafür nur einige Spalten im Lokalteil über. Lediglich einige linke, von vornherein interessierte Medien berichteten auch am Montag noch.

Ohne Glasbruch keine Berichterstattung?

Welche Lehren sollen die Protestierenden daraus ziehen? Offensichtlich kann es in Deutschland nur zwei Sorten von Protest geben: die eine ist gewalttätig, chaotisch und gehört daher verboten, die andere ist friedlich und bunt, erlaubt und gelobt - aber gleichzeitig auch uninteressant.

Denn Inhalte spielten bei der Berichterstattung rund um die Frankfurter Blockupy-Proteste keine Rolle. Die sozialen Bewegungen in Deutschland werden stattdessen gebetsmühlenartig in eine Gewaltdebatte hineingedrängt, obwohl sie seit mehreren Jahren einen immer breiteren Konsens der gewaltfreien Militanz entwickeln und damit neue Anhänger aus allen Schichten gewinnen. Seien es die friedlichen Camps und Blockadezüge in Heiligendamm 2007 oder die Castor-Proteste seit 1997, die überaus erfolgreichen Straßenblockaden gegen Neonazis in Dresden und anderswo - überall gab es einen Aktionskonsens, der Gewalt strikt und verbindlich ausschloß. Lediglich kontrollierte und gemeinsam diskutierte Sachbeschädigungen wurden begrenzt zugelassen - wie etwa das Entfernen von Steinen aus dem Gleisbett beim »Castor Schottern« seit 2010. Die Steine wurden dann nicht geworfen, sondern ordentlich neben das Gleisbett gelegt.

Der Höhepunkt dieser neuen Kultur linker Gewaltfreiheit ist sicherlich die Samstagsdemonstration von Blockupy 2012. Trotz wochenlanger Dämonisierung, trotz massiver Demonstrationsverbote, trotz einer Belagerung der Stadt durch 5000 Polizeibeamte, die sich schließlich massiv in die Abschlussdemonstration hineindrängten, ging keine einzige Scheibe zu Bruch. Geschweige denn, dass ein Polizist oder gar ein Banker angegriffen wurde, wie es Polizei und Medien herbeigeredet hatten. In einer derart aufgeheizten Stimmung gegen solch selbsterfüllende Prophezeiungen vorzugehen, ist eine einzigartige Leistung der beteiligten Gruppen und Bündnisse, der Demonstrationsleitung, der Rednerinnen und vor allem der Demonstrierenden selbst.

Dennoch hat diese Leistung scheinbar keinen Nachrichtenwert. Die Polizei habe sich blamiert, konnte man immer wieder lesen - aber der Mythos des linken Gewalttäters wurde weiter gepflegt. Immer wieder durfte auch die Polizei behaupten, gerade ihr massiver Einsatz habe Gewalt verhindert - eine Absurdität, denn der Ablauf der Ereignisse widersprach in jedem einzelnen Punkt den martialischen Gefahrenprognosen.

Diesem Widerspruch keinen Nachrichtenwert beizumessen, ist ein unentschuldbares Versagen der deutschen Presse- und Medienlandschaft.

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